Im Cockpit gehört es zur Routine, immer vom «worst case» aus- zugehen und entsprechend zu handeln. Über gutes Krisen- management und wie es uns in diesen Tagen helfen kann. 

Pilotinnen und Piloten trainieren Not­fallsituationen jeglicher Art regelmäs­sig und ausgiebig. Das Ziel ist dabei immer die Sicherheit und Gesundheit von Crew und Passagieren. Ich sehe viele Para­llelen zur aktuellen Pandemie Situation, die uns alle in irgendeiner Art und Weise tangiert – und auch hier geht es letztlich um die Sicherheit und Gesundheit von uns allen, als Teil der Gemeinschaft und als Teil des Wirtschaftssystems.

In dieser herausfordernden Zeit erhält das Krisenmanagement besondere Beachtung. Ich lasse meinen Background als Pilotin mit über 6000 Stunden Flugerfahrung in mei­ne Arbeit als Consultant für Krisenmana­gement einfliessen. Heute scheint mir das wichtiger denn je.

Was bedeutet Krisenmanagement?

Krisenmanagement betreiben heisst, einen strategischen Umgang mit einer Krisensi­tuation zu finden. Dazu gehören deren Identifikation und Analyse sowie die Ent­wicklung von Strategien und Gegenmass­nahmen zur Bewältigung der Situation. Im Cockpit wird sehr viel Wert auf eine strategische und organisierte Abarbei­tung des Geschehens gelegt. Dabei haben wir Pilotinnen und Piloten den Vorteil, dass zum Beispiel bei Systemausfällen eine Warnung aural und visuell angezeigt wird. Andere Branchen haben dies nicht, aber es spricht nichts dagegen, einen automa­tischen Alarm einzurichten, wenn vorher festgelegte Trigger von der Norm abwei­chen. Jedes Unternehmen muss sich daher fragen, ab wann eine ausserordentliche Lage eine ernst zu nehmende Krise bedeu­tet. Sind alle Faktoren in die Entscheidungs­findung eingeflossen? Wie strukturiert ist die Entscheidungsfindung? Pilotinnen und Piloten nutzen dafür Modelle, die faktenori­entiert Optionen mit Risiken abwägen und für den roten Faden im Cockpit sorgen. Da­ bei spielen gesundheitliche und sicherheits­ relevante Aspekte genauso eine Rolle wie organisatorische.

Was ist gutes Krisenmanagement?

Kernpunkte eines effektiven und guten Kri­senmanagements – nicht nur für Airlines, sondern auch für andere Firmen – sind un­ter anderem:

  • Safety / Health first!
  • vorbereitete Verfahren und Checklisten • funktionierende Krisenstabs­ und Füh­rungsarbeit
  • transparente Kommunikation – intern und extern
  • transparente Zusammenarbeit mit Stake­ und Shareholdern.

Was im Cockpit selbstverständlich ist, soll­te auch für Unternehmen gelten: In «worst case»­ Szenarien denken und die Reaktionen darauf – übrigens auch für eine schnelle und koordinierte Rückkehr zum Normalbetrieb nach der Krise – regelmässig mit Checklisten und Plänen üben. Das ist gutes Krisen­management. Hoffen wir, dass es in der ak­tuellen Situation greift!